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Einheimische, wild wachsende Orchideen:
Information

Alle Fotos wurden - sofern nicht anders vermerkt - in unserem Einsatzgebiet aufgenommen.
Gemäß Stmk. Naturschutzgesetz sind alle Orchideen streng geschützt!
(Kein einziges Exemplar darf beschädigt, gepflückt oder ausgegraben werden.)

Alle Fotos: © Kurt Hartmann, Berg- und Naturwacht Leutschach.
Die Fotos dürfen mit Anführung des Copyrights frei verwendet werden.


Warum die Orchideen "Orchideen" heißen
Merkmale der Blüten
Evolution
Vermehrung
Gefährdung
Orchideen in der Steiermark
Persönliches
Fotos


 


Orchis = Hoden

In den tropischen Urwäldern, wo es die weitaus meisten Orchideen gibt, sind diese meist Epiphyten, das heißt, sie wachsen auf Bäumen, da sie am Boden der dichten Urwälder viel zu wenig Licht hätten, um gedeihen zu können.

Von diesen "Exoten" stammen oft auch die in unseren Blumengeschäften erhältlichen gezüchteten Orchideen ab, die durch langjährige gärtnerische Kunstgriffe (teilweise) "europäisiert" wurden: Die "Luftwurzeln", die für jede im Blumengeschäft gekaufte Orchidee so typisch sind, sind ein deutliches Relikt der im Urwald epiphytisch lebenden Orchideen.

Epiphyten hätten in Gebieten mit tiefen Wintertemperaturen allerdings keine Überlebenschancen.
Die wildwachsenden europäischen Orchideen leben daher ausschließlich terrestrisch, das heißt, sie sind Erdpflanzen mit begrenzter Vegetationsperiode, und sie überdauern die kalten, frostigen Wintermonate in ihren geschützt in der Erde geborgenen Knollen oder Wurzelstöcken.
Die jährliche Neubildung der Blätter erfolgt meist im frühen Frühjahr, bei mediterranen Arten sogar schon im Herbst. Während der Blütezeit werden die unterirdischen Speicherorgane mit Nährstoffen angereichert; nach der Blütezeit, wenn die Samenkapseln aufgeplatzt sind, sterben die oberirdischen Teile der Pflanze in der Regel ab.
Die Ruheperiode dauert bei den meisten mitteleuropäischen Orchideen vom Hochsommer bis zum Ende der Schneeschmelze. Während dieser langen Periode müssen die Pflanzen von ihren unterirdischen Nährstoff-Depots zehren.

Die eiförmigen Wurzelknollen vieler Orchideenarten sind bereits vor 3000 Jahren den Griechen aufgefallen und haben der gesamten Familie ihren wissenschaftlichen Namen gegeben - Orchidaceae: Orchis (griechisch) = Hoden.
Und analog dazu im Deutschen: Knabenkräuter.

Außer bei den Knabenkräutern finden sich auch bei den Gattungen Ragwurz (Ophrys), Riemenzunge (Himantoglossum), Zwergstendel (Chamorchis), Hundswurz (Anacamptis) und Einknolle (Herminium) kugelige bis eiförmige Wurzelknollen.

(Leider war diese Form der Wurzelknollen jahrhundertelang ein Grund, die Pflanzen auszugraben: Einerseits wurde schwangeren Frauen ein Absud aus den Knollen verabreicht, wenn männlicher Nachwuchs erwünscht war; andererseits galten die Wurzelknollen auch als Aphrodisiakum für Männer und sollten deren schwindende Manneskräfte stärken; - Viagra wurde erst viel später erfunden...
Dennoch war diese Art der Verfolgung harmlos im Vergleich zu jenen "perfekten" Ausrottungsmechanismen, denen neben nahezu allen Blumen auch und besonders die Orchideen in unserer Zeit ausgesetzt sind!)

Eine ganze Reihe von "Knabenkräutern" haben zwar ähnliche Blüten wie die der Gattung Orchis, weisen jedoch keine eiförmigen, sondern handähnliche Wurzelknollen auf. Diese bilden die Gattung Dactylorhiza, zu Deutsch Fingerwurz. Die deutsche Bezeichnung "Knabenkraut" wird aber weiterhin auch für die Fingerwurz-Arten verwendet; deshalb sind hier beide Arten zusammengefasst.

Orchis und Dactylhoriza

Quelle: Sundermann

A - Orchis
B - Dactylhoriza

Deutscher Name in beiden Fällen:
Knabenkraut

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Merkmale der Blüten

Quellen:
Hans Sundermann, Europäische und mediterrane Orchideen, Brücke-Verlag Hildesheim 1980;
Detlef Ernet, Heimische Orchideen - Verbreitung und Gefährdung in der Steiermark, Abteilung für Botanik Stmk. Landesmuseum Joanneum, Graz 1983;
Edeltraud und Othmar Danesch, Orchideen Kompass, Gräfe und Unzer, München o. Jg.;
Adolf Winkler, Geschützte Pflanzen, Landesgruppe Steiermark des Österr. Naturschutzbundes, Graz 1967;
Schützen und blühen lassen, Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen, München;
Erich Klein & Herbert Kerschbaumsteiner, Die Orchideen der Steiermark - Eine Ikonographie und Verbreitungsübersicht, Mitteilungen der Abteilung für Botanik am Landesmuseum Joanneum in Graz, Graz 1996.


Die Familie der Orchideen erreicht eine derart mannigfache Vielfalt an Formen und Farben der Blüten, wie sie bei keiner anderen Pflanzenfamilie vorzufinden ist. Die Blüten können nur wenige Millimeter, aber auch mehr als 20 Zentimeter (tropische Arten) groß sein. Nahezu das gesamte Farbspektrum ist anzutreffen, viele Blüten sind mehrfarbig, andere dagegen unauffällig grün oder bräunlich.

Die Blüten der Orchidee sind in der Regel zweiseitig symmetrisch (zygomorph) und werden in der Regel im Laufe ihrer Entwicklung um 180° gedreht (Verdrehung des Fruchtknotens oder des Blütenstieles, Resupination).
Die Blüte wird von drei äußeren (Kelchblätter, Sepalen) und drei inneren (Kronblätter, Petalen) Blütenblättern gebildet.
Das mittlere der drei Kronblätter, welches nach der Blütendrehung in der Regel nach vorne bzw. unten gerichtet ist, unterscheidet sich von den beiden anderen gewöhnlich deutlich durch seine Größe, Form und Farbe; es wird als Lippe (Labellum) bezeichnet und dient als Landeplatz für die anfliegenden Blütenbesucher. Die Lippe ist meist der leuchtend-bunteste Teil der Blüte, soll sie doch die Bestäuber zum Besuch einladen, und sie erzeugt meist auch den Nektar, den sie den Insekten entweder direkt an ihrer Oberfläche, in Mulden und Vertiefungen oder in einem mehr oder weniger langen Sporn anbietet.

Die Orchideen locken ihre Besucher sowohl optisch - durch die oft prächtigen Farben der Blüte, vor allem aber der Lippe - als auch durch verschiedenste Duftstoffe an. Der Duft vieler Orchideen ist auch für den Menschen wahrnehmbar und wird meist als sehr angenehm empfunden.

Blütenbau der Orchidee
Blüte der [Grünen Waldhyazinthe]
Quelle: Sundermann (siehe oben)
1 - Mittleres Kelchblatt
2 - Seitliche Kelchblätter
3 - Kronblätter
4 - mittleres Kronblatt: Lippe
5 - Sporn


Im Zentrum der inneren Hüllblätter befindet sich die Griffelsäule (Gynostemium), ein für die Orchideen charakteristisches Verwachsungsprodukt der Staubblätter mit dem Griffel.
Der stielartige Fruchtknoten ist zur Gänze in den Blütenboden eingesenkt und mit ihm verwachsen. Er enthält einige tausend winzige, wandständige Samenanlagen (siehe auch Vermehrung).
Als Pollenübertrager dienen meist Insekten. Der Blütenbau ist meist in so perfekter Weise auf die Bestäubung durch bestimmte Insekten spezialisiert, dass auf Grund eines einzigen Bestäubungsaktes die Befruchtung der Eizellen tausender Samenanlagen gesichert ist.

Blütenbau der Orchidee
Blüte des [Helmknabenkrautes]
Quelle: Sundermann (siehe oben)

1 - Mittleres Kelchblatt
2 - Seitliche Kelchblätter
3 - Seitenlappen der Lippe
4 - Mittellappen der Lippe
6 - Sporn
8 - Fruchtknoten
9 - Deckblatt

Die fehlenden beiden anderen Kronblätter sind im Helm verborgen.

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Anmerkungen zur Evolution

Mit dem Namen ORCHIDEE verbinden die meisten Menschen eine "exklusive" Pflanzenfamilie, die es nur im Blumenladen, im Botanischen Garten oder in exotischen Urwäldern zu bewundern gäbe.
Doch dem ist nicht so!
Die Orchideen entwickelten sich erst vor ca. 2 Millionen Jahren und sie sind damit stammesgeschichtlich die jüngste Familie der bedecktsamigen Blütenpflanzen. (Zum Vergleich: Die ältesten Vertreter dieser Art entstanden vor 120 bis 140 Millionen Jahren!)
Dennoch haben sie in dieser kurzen Zeit eine höchst erstaunliche Vielfalt von Gattungen und Arten entwickelt, sich den verschiedensten klimatischen Bedingungen angepasst, die unterschiedlichsten ökologischen Nischen erobert, eine ganze Reihe höchst "raffinierter" Bestäubungsmechanismen entwickelt (markantes Beispiel: Ophrys!) - und sich daher nahezu über die ganze Erde verbreitet. So zählt man heute etwa 800 Gattungen mit zirka 30.000 Arten, - die Orchideen sind damit zweifellos die vielgestaltigste, formen- und variantenreichste Familie des gesamten Pflanzenreiches.
Der weitaus größte Teil der Orchideen findet sich zwar in den feuchtschwülen Tropen und Subtropen, - aber diese Pflanzenfamilie hat auch die unwirtlichsten Gebiete des hohen Nordens, die warm-feuchten Niederungen, - ja sogar windgepeitschte Berggrate bis 4000 m Höhe, Sümpfe, magere Trockenrasen und bemooste Wände erobert.
Aber sie haben einen übermächtigen Feind: den Menschen.

Der Evolutionsprozess dieser Familie ist naturgemäß noch keineswegs abgeschlossen, - ja, er steht sozusagen eher noch am "Anfang" und befindet sich weiterhin in einer stürmischen Entwicklung, wodurch eine defintive Unterscheidung und endgültige Bestimmung vieler Arten auch für den Botaniker sehr schwierig und in einigen Fällen - beispielsweise bei der Gattung Ophrys - fast unmöglich ist. Durch Kreuzungen entstehen permanent neue Arten (in der Botanik lieblos "Bastarde" genannt), deren "Eltern" selbst von Spezialisten nicht immer zweifelsfrei definiert werden können.
Weltweit werden wohl viele Arten schon wieder ausgestorben sein, noch ehe sie gefunden und als neue Gattung oder Art erkannt wurden.

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Vermehrung

Bei den heimischen Orchideen herrscht Fremdbestäubung (Allogamie, Zoogamie) - meist durch Insekten - vor, es tritt aber auch Selbstbestäubung (Autogamie) auf.
Nach der Befruchtung blüht die Einzelblüte rasch ab, und aus dem Fruchtknoten (der "Stiel", der die Blüte mit dem Stängel der Pflanze verbindet) entwickelt sich die Samenkapsel, in dem die Samenkörner heranwachsen.
In einer einzigen Kapsel befinden sich viele tausend winzigste Samenkörner. Wenn diese herangereift sind, bricht die Kapsel entlang von 6 vorgebildeten Längsspalten auf und übergibt die Samen dem Wind.

Samenkapsel der Orchidee
Quelle: Ernet (siehe oben)

W - Blütenbesuchende Wespe, Befruchtung
FK - Fruchtknoten
F - reife Fruchtkapsel
BR - Reste der Blütenhülle
Ls - Längsspalte (Sollbruchstelle)
D - Deckblatt

Beispiel: [Verblühte Vogelnestwurz]


Häufig trifft man Pflanzen an, deren obere Blüten noch nicht einmal auf-, die unteren dagegen bereits teilweise oder völlig abgeblüht sind.
Die Fotos [Bienenragwurz_04], [Hummelragwurz_07], [Hummelragwurz_10], [Spinnenragwurz_03], und [Herbst-Drehähre_03] zeigen Pflanzen in diesen Stadien.
Völlig abgeblühte Orchideen finden Sie bei den Aufnahmen eines [Weißen Waldvögeleins] und einer [Vogelnestwurz].

Tausende Samenkörner in einer einzigen Samenkapsel, - diese Zahl mag als ungeheuer verschwenderisch erscheinen! Beim [Gefleckten Knabenkraut] sind es beispielsweise bis zu 6.200 pro Samenkapsel, - und eine einzige Pflanze dieser Art kann 50 und mehr Blüten ausbilden!
Das bedeutet im Einzelfall mehr als 300.000 Samen pro Pflanze, - man sollte also meinen, die Welt sei längst schon ausschließlich von Orchideen überwuchert! Doch das Gegenteil ist der Fall: Orchideen sind äußerst selten!
Diese Samen müssen nämlich mit einem entscheidenden Handicap fertig werden: Sie enthalten zwar den winzigen Embryo mit allen nötigen Erbinformationen - aber sonst nichts! Das heißt, sie haben keinerlei Nährstoffe, die ihnen als Vorrat dienen und mit deren Hilfe sie im Boden keimen könnten.
100.000 solcher Samen wiegen daher auch gerade mal 1 Gramm!

Ob aus solcherart vom Winde verwehten 300.000 Samen auch nur eine einzige neue Orchidee heranwächst, hängt vom Zufall ab, und die Chance ist wohl ähnlich gering wie beim Lotto: Der Samenwinzling muss auf einem Fleckchen Erde landen (und dort vom Regen eingespült werden), welches zahlreiche Bedingungen hinsichtlich Boden (z. B. pH-Wert), Feuchtigkeit, Mikro-Klima, Licht und Luft erfüllen muss, - und in dem sich vor allem ganz bestimmte Pilzarten befinden müssen, mit deren Hilfe sie die organischen Substanzen des Bodens (Humus) für sich erschließen können.
Diese Pilze dienen den keimblattlosen Keimlingen als unerlässlicher Nährstoffversorger, bis die zunächst unterirdischen Pflanzen erstarken, oberirdisch ergrünen und sich vermittels Fotosynthese selbst ernähren können.
Einige Arten sind sogar zeitlebens auf diese Pilzernährung angewiesen, da ihre Blätter mangels Chlorophyll nicht genügend Nährstoffe produzieren können, beispielsweise die bei uns recht häufige [Vogelnestwurz].

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Samenwinzling auf solch einem "paradiesischen" Plätzchen landet, ist also äußerst gering. Uns selbst, wenn er es geschafft haben sollte, dann dauert seine Entwicklung bis zur blühfähigen Pflanze mindestens drei, in manchen Fällen aber auch mehr als zehn Jahre!
Sollte sich während dieser Zeit auch nur eine der zahlreichen notwendigen Voraussetzungen verändern, dann erblickt der Keimling nie das Licht der Sonne.

Sie sehen also: Die Orchideen "wissen" schon, warum sie so viele Samen produzieren!

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Gefährdung

Es betrifft nicht nur die Orchideen, sondern alle Pflanzengruppen, - Blütenpfanzen, Farne, Algen, Pilze, Flechten, Moose: Wo der Mensch die ursprüngliche Naturlandschaft in eine ihm dienliche Kulturlandschaft umwandelt, haben Pflanzen (und Tiere) einen schweren Stand, denn mit dem Tempo, das der Mensch dabei besonders in den letzten fünfzig bis hundert Jahren vorgelegt hat, kommt die Evolution nicht mit.
Der Siedlungs- und Wirtschaftsraum des Menschen breitet sich auf Kosten der Naturlandschaft in ungeheurem Ausmaß aus, das Gesamtgefüge der Ökosysteme wird permanent einmal in dieser, einmal in jener Richtung verändert.
Es blieb dem Menschen vorbehalten, das Leben auf dieser Erde in "gut" und "böse" einzuteilen, - hier "nützlich", da "schädlich" oder sogar "räuberisch"...
Jedem dieser Eingriffe fallen zahlreiche Arten der betroffenen Biotope zum Opfer. Die logische Folge ist eine fortschreitende Artenverarmung und zunehmende Vernichtung zahlreicher ökologischer Systeme.

Die bunten, artenreichen Wiesen, die noch bis in die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts überall anzutreffen waren, gibt es so gut wie gar nicht mehr. Durch die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft (Trockenlegung von Feuchtgebieten, Monokulturen, Spritzmitteleinsatz, Überdüngung, Umwandlung in Äcker, Nutzungsaufgabe mit nachfolgender Verbuschung und Verkrautung, Aufforstung...) blieben nur mehr sehr artenarme Wiesen übrig.
Letzte Rückzugsgebiete waren schließlich noch Straßenränder und Böschungen [Orchideen am Straßenrand], aber auch diesen rückt man seit Jahren vermehrt mit riesigen Häckslern und Mähern zu Leibe, - und das fast immer viel zu früh, sodass die Pflanzen nicht mehr ausreifen und daher keinen Samen ausbilden können.
Aber dafür sind unsere Böschungen jetzt ["schön ordentlich"]...
Zahlreiche heimische Orchideenarten sind (bzw. waren) jedoch auch in unseren Mischwäldern heimisch, die jedoch während der letzten Jahrzehnte zunehmend in Fichtenfabriken umgewandelt wurden, in deren Böden ein Mangel an jenen Mikropilzen herrscht, die die Samen zum Keimen unabdingbar benötigen.

Die Ergebnisse der in vielen europäischen Ländern durchgeführten Kartierung der Blütenpflanzenflora haben gezeigt, dass die Orchideen zu den besonders gefährdeten Pflanzenfamilien zählen, da ihre Entwicklungs- und Bestäubungsmechanismen hoch spezialisiert und den rasanten Veränderungen der Ökosysteme durch den Menschen nicht gewachsen sind.
Was wir heute noch an Orchideen finden, sind nur mehr Restbestände!
Wer sich darüber - und über die komplizierten Mechanismen ihrer Fortpflanzung! - im Klaren ist, der wird Orchideen weder pflücken, geschweige denn sie ausgraben, um sie in seinem Garten anzusiedeln (wo sie im Übrigen mit Sicherheit absterben werden!).

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Orchideen in der Steiermark

Im Katalog einer Ausstellung der Abteilung Botanik des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum aus dem Jahr 1983 wurden noch 51 Orchideen-Arten angeführt, die in der Steiermark heimisch sind (oder waren).
In einer Verbreitungsübersicht aus dem Jahre 1996 wurden schon 58 Arten angeführt.
(E. Klein & H. Kerschbaumsteiner: "Die Orchideen der Steiermark. Eine Ikonographie und Verbreitungsübersicht"; Abteilung Botanik Landesmuseum Joanneum, Mitteilungen Nr. 23/24, Graz 1996, seit 2008 vergriffen).
Nach dem zuvor geschilderten großen Gefährdungspotenzial erscheint dies zunächst widersinnig, ist aber als Ergebnis der umfangreichen botanischen Kartierungsarbeiten des Naturwissenschaftlichen Vereines für Steiermark (Arbeitskreis Heimische Orchideen), die seit 1987 durchgeführt wurden, erklärbar: Einige heimische Arten waren vorher einfach noch nicht entdeckt worden.

Schon damals galten als

verschollen oder ausgestorben (keine Funde nach 1945):

  • Liparis loeselii, Moor-Glanzstendel (Torf-Glanzkraut),
  • Orchis palustris, Sumpf-Knabenkraut,
  • Spiranthes aestivalis, Sommer-Drehähre (Sommer-Wendelähre),
  • [Spiranthes spiralis], Herbst-Drehähre (Herbst-Wendelähre),
  • Himantoglossum hircinum, Bocks-Riemenzunge;

und als

in kritischem Maße gefährdet (1 bis 5 Fundorte nach 1945):

  • Hammarbya paludosa, Sumpf-Weichstendel (Sumpf-Weichwurz),
  • Orchis (Anteriorchis) coriophora, Wanzen-Knabenkraut (Stinkendes Knabenkraut),
  • [Ophrys apifera], Bienen-Ragwurz,
  • [Ophrys holoseric(e)a], Hummel-Ragwurz,
  • [Ophrys sphegodes (sphecodes)], Spinnen-Ragwurz,
  • Limodorum abortivum, Violetter Dingel,
  • Epipactis microphylla, Kleinblättriger Waldstendel.

Also konnte man - zieht man die verschollenen und kritisch gefährdeten Arten ab - 1983 noch vom Vorhandensein von 39 Arten ausgehen.

Von diesen wiederum galten allerdings auch schon damals

als gefährdet bis stark gefährdet.

Nur noch 33 Arten bleiben also übrig, die 1983 mehr oder minder häufig anzutreffen waren.

Immerhin 23 Arten (= 70 %!) davon konnten zwischen 1980 und 1995 in unserem Einsatzgebiet nachgwiesen werden.

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Persönliche Anmerkungen:

In unserem vergleichsweise winzigen Einsatzgebiet (79 km² der 16.388 km² großen Steiermark = weniger als 0,5 % der Gesamtfläche!) konnte ich zwischen 1975 und 1995 - als absolutes Greenhorn beginnend - immerhin 23 Arten finden, identifizieren und fotografieren (zu Fuß bzw. mit dem Bergwacht-eigenen Moped!); - also nahezu 70 % der häufigen heimischen Arten!
Darunter befanden sich jedoch auch sieben der in der Steiermark seltensten Arten, wie die vorangegangenen Links bereits gezeigt haben.

Zahlreiche Arten sind bei uns so gut wie auszuschließen, da sie nur in höheren Lagen anzutreffen sind, - beispielsweise alle Kohlröschen (Nigritella).
Dennoch scheint die Südsteiermark ein Schnittpunkt zwischen den eher nur im Norden der Steiermark und/oder in höheren Lagen vorkommenden Arten (z. B. [Orchis pallens]) und den eher mediterranen Arten ( z.B. [Ophrys holoserica]) zu sein.

Ich hatte nie den Ehrgeiz, alle steirischen (oder österreichischen, europäischen, mediterranen...) Orchideen zu sehen, - aber ich wollte alle Orchideen des Einsatzgebietes unserer Ortseinsatzstelle finden und dokumentieren. Niemand wird je wissen, ob mir das gelungen ist...


Die Fotos...

... genügen heutigen Ansprüchen über weite Strecken nicht mehr, - das ist mir klar.

Ich arbeitete damals mit je einer billigen DDR-Praktica- und einer noch billigeren Exakta- Spiegelreflex, mit M42- (Schraub-) Objektiven, mit drei M42-Zwischenringen und gelegentlich einem (geliehenen!) Uralt-Praktica-Balgengerät.
Das größte Problem waren dabei im Nahbereich natürlich stets die Schärfentiefe sowie die Tiefenschärfe, wie an vielen Fotos erkenntlich.
Sowohl mit den Zwischenringen als auch mit dem Balgengerät konnte ich mich den Blüten zwar auf wenige Zentimter annähern, aber der Lichtverlust war enorm und konnte nur mit sehr langen Belichtungszeiten ausgeglichen werden. Wenn dann die Sonne hinter den Wolken verschwand, ein Baum eine Orchidee beschattete, oder auch nur ein kleiner Windhauch aufkam, hatte ich oft stundenlange Wartezeiten, ehe ich endlich auf den Auslöser drücken konnte - und viele Fotos waren dennoch unbrauchbar...

Aber was war das alles im Vergleich zu der Freude, stets neue Wiesen und Wälder zu durchstreifen und dann und wann wieder einen neuen Standort oder gar eine neue Art zu finden!
Da ich ein botanischer Laie bin, mussten neben der schweren Fotoausrüstung (eine Kamera mit einem Farbnegativfilm, eine zweite mit einem Dia-Film nebst einigen Objektiven) auch noch 12,8 kg (oder so ähnlich smiley_zwinker ) Bücher mitgeschleppt werden, um die gefundenen Schätze auch zweifelsfrei identifizieren zu können.

Ich hoffe, Sie erfreuen sich trotz der fotografischen Unzulänglichkeiten an der wunderbaren Schönheit dieser Pflanzen, - auch wenn besonders die Nahaufnahmen nach heutigen Kriterien alles andere als perfekt sind!
Eines wäre für mich nämlich niemals in Frage gekommen: Auch nur eine einzige Orchidee zu pflücken und sie an einen Ort zu bringen, der günstigere Voraussetzungen für ein besseres Foto geboten hätte (Sonne, Windstille)! Kein einziges Foto ist also in irgendeiner Weise montiert oder manipuliert.

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